Geschichtliches
19. Januar 2006 von Michael Kaiser | Seite mailen | Seite drucken |
Die Idee der Steuern ist sicherlich beinahe so alt, wie die Idee des Staates selbst. So sehr es der Natur des Menschen entspricht, sich zu Gemeinschaften zusammen zu schließen und dieser übergeordnete Aufgaben zuzuweisen, so sehr ergibt sich aus der Notwendigkeit des Tatsächlichen und des wirtschaftlichen Handelns, dass eine solche Gemeinschaft nur dann übergeordnete Ziele und Aufgaben wahrnehmen kann, wenn sie hierzu selbst mit notwendigen Mitteln ausgestattet wird. Diese Erkenntnis setzte in der Geschichte der Menschheit bereits früh.
Zunächst mussten diese Mittel gar nicht aus finanziellen Zuwendungen bestehen, sondern vielmehr waren primär Waren (Nahrung, Rohstoffe) und Gebrauchsgegenständen (Werkzeuge und nicht zuletzt Waffen) und auch Dienste für das Gemeinwesen zu leisten. Das deutsche Wort “Steuer” stammt dabei vom Althochdeutschen stiura ab, was Stütze bedeutet und im Sinne von Unterstützung, Hilfe oder auch Beihilfe verwendet wurde1.
Die erste historisch verbürgte Erwähnung einer Steuer stammt in etwa aus dem Jahre 2360 v. Chr. aus Mesopotamien. In einer steinernen Inschrift aus der sumerischen Stadt Lagasch rühmt sich der dortige Stadtfürst Karukagina eine ungerechte Steuerkontrolle abgeschafft zu haben. Der Wortlaut der Regelungen ist nicht erhalten, sondern nur die mittelbare Bezugnahme2. Sie ist somit nicht nur der erste schriftliche Beleg für Steuern selbst, sondern indirekt auch für die erste Steuerreform.
Ebenfalls bereits sehr früh in der Geschichte stößt man auch auf den ersten historisch verbürgten Steuersatz der Menschheitsgeschichte. Bereits in vorbiblicher, sumerischer Zeit ist der “Zehnt” die übliche Abgabenhöhe3. Dabei waren allerdings die Grenzen der Abgabe immer noch fließend zwischen Waren, Diensten oder doch Geld. Weitere “Steuerakten” sind verbürgt aus dem Zweistromland, Ägypten und Persien.
Die Griechen haben die Idee der Steuern wohl aus dem orientalischen Raum übernommen, wobei allerdings sicher anzunehmen ist, dass gewisse Vorläufer bereits existierten und lediglich das “Verfahren” verfeinert wurde. Erste historische Erwähnung finden Steuern bei Herodot (484 – 425 v. Chr.). Durch persische Steueransprüche wurden die griechischen Kolonien in Kleinasien sowohl persischen, als auch eigenen Steuern unterworfen und so kam es bereits zu griechischer Zeit zur ersten Doppelbesteuerung, die durch “Steuerverträge” erleichtert wurde. Das DBA war geboren4. Zur Hochzeit der griechischen Kultur ging man dazu über die direkten Steuern (“Zehnt”) gegen die eigenen Bürger zurückzunehmen und diese lediglich Fremden aufzuerlegen. Nebenher existierten jedoch noch einige indirekte Steuern in Form von Zöllen5.
Auf die Griechen folgten die Römer und diese haben der Idee der Besteuerung sicherlich zu einem neuen Höhepunkt verholfen. Die römische Steuergeschichte dreht sich dabei um den lat. Begriff “tributum”, der in seiner Grundbedeutung von “Drittel” abstammt und mit dem Verb “tribuere” i.S.v. “zuteilen, schenken” verwandt ist. Zunächst handelte es sich dabei häufig um Kriegssteuern, die sogar im Erfolgsfalle aus der Kriegsbeute an die Bevölkerung zurückgezahlt wurde. Nach der Expansion des Reiches weit über die Grenzen Italiens hinaus, konnte es sich der römische Staat dann leisten selbst nur vom “Tribut” der unterworfenen Gebieten zu leben und die eigenen, römischen Bürger von jeglicher Steuerlast freizustellen6. Im Gegenzug kam es immer wieder vor, dass in den besteuerten Gebieten der Unmut über den Tribut bis hin zu einem Aufstand anschwoll. Hierfür finden sich zahlreiche historische Beispiele, wie etwa biblisch belegt ist oder auf deutschem Boden die Erhebung des Arminius gegen den Statthalter Publius Quinctilius Varus. Gegen den Niedergang des römischen Reiches und in der Monarchie sank auch die Steuerkultur wieder und auch die Aufstände mehrten sich.
Im Mittelalter [...]7
Weiterführende Literatur: Schultz Mit dem Zehnten fing es an, Eine Kulturgeschichte der Steuer, München 2000; Pausch/Pausch Kleine Weltgeschichte der Steuerzahler, Köln 1988; dies. Steuern in der Bibel, Köln 1986; dies. Kleine Weltgeschichte der Steuerobrigkeit, Köln 1989; BMF [Hrsg.] Von der Reichsschatzkammer zum Bundesfinanzministerium, Köln 1969; Wesel, Geschichte des Rechts, 3. Aufl., München 2006; Pirnat Dämon Steuer, Ein Leidensweg der Menschheit, 2. Aufl., Wien/München 1956.
zurück | nach oben | weiterlesen
- Quelle: Stichwort “Steuer” in der Wikipedia. [zurück]
- Wesel, Geschichte des Rechts, 3. Aufl., München 2006, Rz. 56. [zurück]
- Pausch/Pausch, Kleine Weltgeschichte der Steuerzahler, Köln 1988, S. 16. [zurück]
- Pausch/Pausch, a.a.O., S. 32. [zurück]
- Pausch/Pausch, a.a.O., S. 36. [zurück]
- Pausch/Pausch, a.a.O., S. 38. [zurück]
- Wird fortgesetzt. [zurück]



